
Hermann Heinrich Meyer erblickte am 18. März 1841 als zweites von vier Kindern das Licht der Welt auf der alten Eilshauser Hofstätte Nr. 3, dem Meyerhof. Nach dem Tod ihres ersten Ehemannes heiratete seine auf dem Meyerhof lebende Mutter Marie Meyer den Vater von Hermann, den Eickumer Landwirtssohn Wilhelm Menke, der nach alter Tradition den Namen der Hofstätte annahm, so dass der Familienname Meyer fortbestand.
Nach Abschluss der Schule arbeitete Hermann zunächst auf der Hofstätte weiter, jedoch sollte nicht er, sondern sein jüngerer Bruder Wilhelm das Erbe des Hofes antreten. Im Jahre 1860 stand Hermann mit 19 Jahren vor der bis dahin wichtigsten Entscheidung seines Lebens: Sollte er auf der Hofstätte sein Leben als Knecht seines jüngeren Bruders verbringen oder die Welt auf eigene Faust erobern? Wahrscheinlich musste er nicht sehr lange darüber nachdenken und verließ seinen elterlichen Hof in Richtung Paderborn. Er meldete sich bei der dort stationierten 3. Schwadron des 8. Husarenregiments als Freiwilliger zum Wehrdienst und schlug die Laufbahn zum Unteroffizier ein. Bereits wenige Jahre später bekam Hermann die Möglichkeit, sich im Krieg zu beweisen. Als 23-jähriger Unteroffizier zog er 1864 im ersten Deutschen Einigungskrieg mit seinem Regiment in Norddeutschland gegen Dänemark. In seinen Lebenserinnerungen schrieb er: „Bei den Düppeler Schanzen sah ich von ferne König Wilhelm zusammen mit Bismarck und Moltke.“
Zwei Jahre später kämpfte er im zweiten Deutschen Einigungskrieg erneut an der Front, diesmal im Süden Deutschlands gegen die Bayern. In seinen Lebenserinnerungen schrieb er: „Nach kleineren Gefechten zogen sich die Bayern bis Kissingen zurück.“
Nach seiner Heimkehr heiratete Hermann am 24. Mai 1867 seine Verlobte Anne Marie Thenhaus und zog zu ihr auf den Hof Nr. 19 in Lippinghausen, auf dem sie groß geworden war.

Das Familienleben wurde jedoch nochmals im Jahr 1870 durch den dritten Deutschen Einigungskrieg unterbrochen. Hermann musste seine schwangere Frau mit den beiden kleinen Kindern Wilhelm und Johanne alleine zurücklassen, er wurde eingezogen und kämpfte bis 1871 mit seinem Regiment in Frankreich. Nach Kriegsende beendete Hermann seine militärische Karriere für immer.
Während des Krieges wurde zu Hause in Lippinghausen sein Sohn Gustav geboren. Wieder daheim baute er für seine Familie zunächst ein weiteres Wohnhaus an der Bünder Straße, unweit der alten Hofstätte. Das neue Haus nutzte er zusätzlich als Gastwirtschaft und Bäckerei, eine für die damalige Zeit durchaus übliche Kombination.

Margarinefabrik mit Strom und Dampf.

Bis 1889 wurden Hermann und Anne Marie noch sieben weitere Kinder geschenkt: Friederike, Hermann jun., Luise, Heinrich, Auguste, Friedrich und Mathilde wollten ebenfalls ernährt werden. Deshalb betätigte sich Hermann in dieser Zeit nicht nur als Land- und Gastwirt sowie als Bäcker, sondern betrieb auch noch eine Lohndrescherei und einen Kartoffelhandel. Er sicherte sich den Alleinvertrieb der Produktionsrückstände von „Hoffmanns Stärke“, die er als Viehfutter vertrieb, sowie die Nahrungsmittelbelieferung der neuen kaiserlichen Strafanstalt in Herford. Tatkräftig unterstützten ihn bei diesen vielfältigen Tätigkeiten stets seine Frau und seine älteren Kinder. 1884 errichtete er in Lippinghausen die erste Zigarrenfiliale im Dorf und ließ dort Zigarren für die Bünder Firma Wüllner & Bach drehen.
Im Jahre 1894, Hermann war bereits 53 Jahre alt, traf er eine weitere Entscheidung, die nicht nur sein Leben und das seiner Familie nochmals grundlegend veränderte, sondern auch wesentlichen Einfluss auf das gesamte Lippinghauser Dorf und seine Bewohnerinnen und Bewohner hatte. Er verwirklichte seine neueste Geschäftsidee: die Herstellung von Margarine.
Hermann war aber nicht nur unternehmerisch tätig und bescherte vielen Lippinghausern Lohn und Brot in seinen Margarinewerken, sondern verhalf auch vielen Mitarbeitern zu einem eigenen Wohnhaus. Er engagierte sich auch zunehmend ehrenamtlich in der politischen und kirchlichen Gemeinde Lippinghausens. Er wurde als Gemeindevorsteher Lippinghausens gewählt und übernahm auch als Presbyter Verantwortung in der örtlichen Kirchengemeinde. Er konnte somit auch wesentlichen Einfluss auf die positive Entwicklung des Dorfes nehmen.

Anläßlich der Einweihungsfeier der auf Initative und mit finanziellen Mitteln von Hermann 1911/1912 in Lippinghausen gebauten Kirche wurde bekanngegeben, dass ihm „in Anerkennung seines großen Verdienstes, welches er sich um das Zustandekommen des Werkes erworben habe, vom Könige der Kronenorden 4. Klasse verliehen sei.“
Im Jahre seiner Goldenen Hochzeit wurde am 18. Mai 1917 aufgrund seiner Verdienste für die Gemeinde Lippinghausen durch den Vertreter des Königlichen Regierungspräsidenten „Auf Grund des Allerhöchsten Erlasses vom 12. Juli 1867 dem Gemeindevorsteher und Margarinefabrikanten Hermann Heinrich Meyer und seiner Ehefrau Anne Marie sowie deren Kindern mit Einverständnis des Herrn Ministers des Inneren die Genehmigung erteilt, an Stelle des Familiennamens Meyer fortan den Namen Meyer-Lippinghausen zu führen“, heißt es wörtlich in der Originalurkunde.
Nach dem Tode seiner geliebten Ehefrau Anne Marie im Jahr 1920 ließ er 1921/22 ein weiteres Wohnhaus oberhalb der Margarinefabrik am Hang des Schweichler Berges errichten.
Ein Jahr später setzte Hermann ein Testament auf, in dem er seine drei Söhne Hermann jun., Heinrich und Friedrich aufgrund ihrer langjährigen, treuen und fleißigen Mitarbeit in der Margarinefabrik und in der Landwirtschaft besonders berücksichtigte. Er übertrug seinem Sohn Friedrich das neuerbaute Wohnhaus am Schweichler Berg und sicherte seinen Söhnen Hermann jun. und Heinrich zu, ihnen jeweils auch einen Bauplatz nach ihrer Wahl aus seinem Besitz zu übereignen und ihnen dort ein Wohnhaus auf seine Kosten zu errichten.
Am 15. Januar 1926 verstarb Hermann Meyer-Lippinghausen in seinem 85. Lebensjahr. Er wurde in der Familiengruft beigesetzt. Hermann hinterließ seinen Kindern ein wohlgeordnetes Lebenswerk, das sie gemäß seiner testamentarischen Verfügung als Kommanditgesellschaft weiterführten. Auch sie engagierten sich ebenfalls in der Gemeinde Lippinghausen.
Sohn Hermann jun. verzichtete auf Haus und Grundstück, er verstarb nur drei Jahre nach seinem Vater.
Sohn Heinrich übernahm das Amt des Gemeindevorstehers von seinem Vater und errichtete 1927 sein Wohnhaus an der Milchstraße in Lippinghausen. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Haus von den Alliierten beschlagnahmt und diente jahrzehntelang dem britischen Kommandeur der in Herford stationierten Panzerdivision der britischen Rheinarmee als Wohnsitz („Taurus House“ benannt nach der Insigne der Division). Seit 2015 befindet es sich wieder im Besitz der Nachfahren von Heinrich Meyer-Lippinghausen.
Sohn Friedrich hatte seinen Sohn Hermann jun.jun. schon früh als seinen Nachfolger eingesetzt. Er führte gemeinsam mit seinem Onkel Heinrich die Geschäfte der Firma bis zu dessen Tod im Jahre 1963. Hermann jun.jun. verstarb 1971 bei einem Autounfall. Er war der letzte Namensträger Meyer-Lippinghausen.




